63 bezüglich der Höhe und Tiefe: der serbische Accent, dessen Reflex im Italienischen der Ragusäer ich eben berührt habe, ist nicht rein expiratorisch. sondern zugleich tonisch. Die Deutschen in Hussland sprechen Deutsch mit mssischer l\Iodulalion (wie die der allen Colonieen auf italienischem Boden, wenigstens die Sil\·ier mit italienischer); ist nicht etwa auch das cigcnthümliche Singen der Sachsen ein slawisches Erbstück? Findet sich bei ihren slawischen Nachbarn, den Wenden elwas Ähnliches? Tm Jahre 1870, als mich die Leipziger l\Ieloclie umlönle und die römische noch nicht ganz in meinen Ohren Ycrklungen ·war, schien es mir als ob alle phonetische SprachdifTc1·cnzimng an dem musikalischen Elemente ihren Anfang nehmen müsste, und dass auch in diesem Sinne das Studium de1' Musik wie sie YOlkslhümlich Yariirt, der Sprachwissenschaft Licl1lcl' gewähren würde. Vielleicht ging ich hierin ;i;u weil, immerhin ist der Wunsch sehr berechtigt dialectische Hhylhmen in grössercr Menge noUrt zu sehen. Für Ilalien hatte H. ZANDONELLA 1874 mit ein paar Beispielen die Anregung dazu geben wollen; C'r meinlc dass die YOrrömischen Yölke1· zwar ihi·e Sprachen gegen das Latein ausgelauscht hiillcn. dass aber „quello ehe non si poteYa eancC'lla1·e nc distruggere, era Ja nalura degli organ i gia abiluati ad una pl'Opria lingua, quello ehe non si poteYa mulare, era il ritmo musicale d<'lla proposizione e clel periodo ehe giä possedeYano. < Aus dieser rhythmischen \·erschiedenheil leile1e auch er im WesC'ntlichen die Lautphysiognomie der Dialecte ab. ln Anbctrncht ahe1· solcher Fälle ·wie dN ebenC'rwähnlen kann die ethnographische Beharrlichkeit des Rhythmus nicht als Gesetz hingcslelll werden; oder Yerrathen sich anderseits die mssischcn Deutschen. wenn sie russisch, und die Sih·ier, wenn sie italienisch reden. durch il11'en deut~chen ,\cceut. den sie also nicht ganz aufgegeben, aber auch nicht ganz gewahrt haben würden·~ Die Anleihen welche der \Vor t s c hat z des östreichi~chcn Deutsch beim Slawischen g<'machl hat, hier zu Yerzeichnen und durchzusprechen hat gleich anfangs nicht in rneinC'I' Absicht gelegen. Es ist die le:-...ikalische Art der Sprnchmi:5chnng die allgemeinste, weil sie bei der oberfiiichlichslen Berührung \'On Sprachen eintrit!; sit• hat in ihrem Wesen nichts i>l'Oblemalisches und wird daher überall bemerkt und behnndell; die Unter;-;uchung der einzelnen Erscheinungen führt aber zum gl'Osscn Thcil tief in diP Cullmgeschichte hinein und et'forclcrl Dmchmusterung aller allen Denknüller, zudem kann im Yorl iegendeu Fa.lle das ausscrfü;lreichische Deulsch nicht wohl ausgeschlo::;scn werden . So 'Yiircle denn dies Kapitel, 'renn ich es nur einigermassen ausfühl'en wollte, weil aus clem H.ahmen der ganzc•n Arheil hcrau::;wachsen. Ich begnüge mich mit C'inigen fragmentarischen Bemerkungc11 cliC' sich mi1· im Vorbeigehen ergeben haben, indem ich hoffe da:::s die !land der wil' die slawischen Lehnwörter im l\Iagyarischen « Yerdanken. :-;ich auch der slawischen Lehnwörter im Deutschen annehmen wird. ,·on dem abgesehen was in Wörlerbiichern des llothcleulschen und der deutschen 1\Iundarten. besonders in dem uncr:-;chöpllichen Scmrn1.u:R·s. dN YOn unsern guten Nachbarn. den Tschechen« Yiel lemle. gelrgcnllich ,·orgelwacht worden isl. hat zunächsl WEINIIOLn im er:::len Bande \"Oll Krux':-; ZC'itschrifl« eine Reihe Yon slawischen Wörtern im (preuss.) Schlesischen zusammcngc!:ilclll; fr<'ilich hat er den meisten der angcfiihrlPn Beiwörter und Zeitwörter mit Unrecht slawische 1ft•rkunf'I zuerkannt und in den d1·ci Jahl'c später erschiener1en „Beiträgen zu einem schlesischen Wörterbuch« dies auscldkklich oder slillschweigencl berichtigt. Ein<' längen• Li~le hrachl<• an demselben Orl<.> Fm:HsTEMANN Yon den slawischen Elementen in clP11Lschc11. 11ame1111ich wr!'lpreus!