Deutschen Kaisers mußten in England die Vorstellung erwecken, das Ziel Deutschlands bei seiner seit 1897 einsetzenden Steigerung seines Flottenbaus ginge weit über den Schutz seines Handels hinaus. Schon die am 3. Januar 1896 an Krüger gesandte Depesche, worin er ihn zur Festnahme Jamesons beglückwünschte, hatte tiefe Mißstimmung gegen Deutschland in England erregt. Sie steigerte sich, als der Kaiser ein Jahr darauf, am 17. Januar 1897, erklärte: „Der Dreizack gehört in unsere Faust." Von da ab in fünfzehn Jahren vier große Flottenvorlagen und, kaum daß eine angenommen war, ein neuer Ausspruch des Kaisers, der die Seegewalt für Deutschland in Anspruch nahm. Die Folge war schon damals viel Gerede unter den englischen Imperialisten l) über einen kommenden Krieg um die Weltherrschaft. Am 9. November 1898 hat der Kaiser dann zu Damaskus „den 200 Millionen Mohammedanern, die auf der Erde zerstreut leben", versichert, „daß zu allen Zeiten der Deutsche Kaiser ihr Freund sein wird", was den Engländern, die über viele Millionen Mohammedaner herrschen, erschien, als sollten sie unter Kontrolle des Deutschen Kaisers gestellt werden. Auch überlegte man in England nicht, daß die Ablehnung von Chamberlains dreimal gemachtem Anerbieten einer englisch-deutschen Allianz durch Bülow die notwendige Folge der von den Engländern verweigerten Freiheit der Meere gewesen ist. Bülow lehnte ab, weil er befürchtete2), daß Deutschland dadurch ins Schlepptau von England gerate und in der Vergrößerung seiner Flotte behindert werde; die Engländer aber sahen darin ein Zeichen, daß Deutschland Pläne verfolge, die gegen die englischen Interessen gerichtet seien3). Diese Auffassung erschien um so mehr gerechtfertigt, als Bülow bei Empfehlung einer neuen Flottenvorlage im Reichstag den Ausspruch tat: „In dem kommenden Jahrhundert wird das deutsche Volk — d. h. Deutschland als Reich — entweder Hammer oder Amboß sein." Deutschland baute also eine Flotte, um England niederzuhämmern. Am 3. Juli 1900 sagte der Kaiser, der Ozean beweise, „daß ohne Deutsch­ land und ohne den Deutschen Kaiser keine große Entscheidung mehr fallen dürfe"; die Engländer, die noch mit den Buren beschäftigt waren, haben dann geschickt sich der chinesischen Wirren bedient, um den gefährlichen Rivalen anderwärts zu beschäftigen; sie schickten ihn an der Spitze eines Heers der Großmächte nach China; und als Rußland diese Gelegenheit nutzte, um die Mandschurei zu besetzen, schloß England ein Abkommen mit Deutschland betreffend den Bestand von China und der „offenen Tür", das beiden ein gemeinsames Interesse an seiner 9 Siehe W. S. B1 u n t, My Diaries, p. 487. 2) Siehe Fürst von Bülow a. a. O. S. 28ff. 3) Siehe Earl Loreburn, How the war came. London 1919. p. 72. 32