gekommen war. Hatte ihm doch der Kaiser den Entwurf eines Flotten­ gesetzes, der in Deutschland selbst noch geheim war, mitgeteilt, mit der ausdrücklichen Erlaubnis, dem englischen Kabinett davon Kenntnis zu geben. Und wenn dies auch zur Folge gehabt hat, daß die Ausgaben für die britische Flotte sofort „in einem in der Geschichte der britischen Flotte beispiellosen Maße“ erhöht wurden1) und ein von Bethmann Hollweg vorgeschlagenes Bündnis an der Ablehnung seitens des in das Bündnis Englands mit Frankreich eingeweihten Haldane scheiterte, so haben sich doch die Beziehungen zwischen der Wilhehnstraße und Downing Street in den folgenden Jahren bis unmittelbar vor Ausbruch des Kriegs immer freundlicher gestaltet. Die britische Regierung hat dies wiederholt amtlich erklärt. Da, mit Beginn 1913, ein Wiederaufleben der öffentlichen Agitation für Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Großbritannien. Morel trat ihr in the Daily News vom 21. Februar 1913 entgegen; dabei frug er unter Hinweis auf die Einführung der dreijährigen Dienstpflicht in Frank­ reich, auf die Vermehrung der Effektivstärke des russischen Heers und die entsprechende Steigerung der deutschen Ausgaben für Heer und Flotte abermals, ob Großbritannien verpflichtet sei, im Falle eines kon­ tinentalen Kriegs Frankreich beizustehen. Dieselbe Frage brachte wenige Wochen später, am 13. März 1913, Lord Hugh Cecil im Unterhause zur Sprache. Er sagte wörtlich: „Die Meinung ist sehr weit verbreitet, daß dieses Land unter einer Verpflichtung steht, einer Verpflichtung nicht durch Vertrag, sondern infolge von Versicherungen, die das Ministerium im Laufe diplomatischer Verhandlungen gegeben hat, eine sehr starke bewaffnete Macht außer Landes zu senden, um in Europa zu operieren. Das wird allgemein an­ genommen.“ Darauf antwortete Asquith, damals Premierminister: „Ich muß sagen, daß dies nicht wahr ist.“ Am 24. März wurde diese verneinende Antwort sowohl von Asquith als auch von Sir Edward Grey wiederholt, von letzterem abermals noch am 28. April und 11. Juni 1914. Diese Erklärungen waren so kategorisch, daß sie selbst Morel genügten. Jedenfalls haben sie ihn zum Schweigen genötigt. Er erachtete es als eine Unmöglichkeit, ein so feierlich gegebenes Wort eines britischen Ministers in Zweifel zu ziehen. Diese seine Meinung wurde verstärkt, als ein anderer Kabinettsminister, Runciman, der nach Birkenhead ge­ kommen war, um die Wahl Morels ins Parlament zu unterstützen, in9 9 Haldane a. a. O., p. 160. 71