179 gaben den Gemächern die nöthige Helle; das getäfelte Hotzwerk hielt im Sommer die Wärme, im Winter die Kälte ab; die Vordachlein über den Fenstern dienten den Gemächern statt des Sonnenschirmes. In der geräumigen Stube, dem Sammelplatz der Familie, stand ein großer Ofen, der zum Backen des Brodes, zum Dörren des Obstes und an kalten Wintertagen dem Herrn und Knecht als Lagerstätte diente. Ein Weihwassergefäß, ein Crucifir, ein Marienbild, ein schwerer, hölzerner Tisch und einige Bänke und Schränke bildeten die gestammte Verzierung des Zimmers. Die Bewohner hielten das Erbe ihrer Vater hoch und be­ mühten sich, cs ihren Nachkommen ungeschmälert zu hinter­ lassen. Seit dreißig Menschenaltern waren dieselben Familien im Besitze der nämlichen Grundstücke. Kleidung herrschte eine edle Einfachheit. In Nahrung und Zieger mit Salz und Kümmel war die tägliche Kost; Obst, Gemüse und Milch bildeten die besseren, Brod und Fleisch die seltenen Speisen. Selbst bei besondern Ehrenmälern herrschte die­ selbe Einfachheit. Das Gewand des Reichen und des Armen bestand aus gleichem Stoff und Schnitt; die Feier­ kleider waren aus selbstverfertigtem Zeug; auch bei Hab- lichen war Schmuck und Putz selten. Ihre seltene Red­ lichkeit und Treue der Denkart beweist die Erzählung von zwei Proccßführenden, von denen nur der eine vor Gericht erschien, dem Richter seine und des Gegners Gründe vor­ trug, für diesen den Proccß gewann und nach seiner Zu­ rückkunft demselben mit freudiger Miene und mit Beglück­ wünschung den Ausgang des Handels mittheilte.