149 Wunder, wenn Sätze wie folgende: der Munn ist gm, der Hund ist ein Thier, der wachsame Hund bellt u. s. f., unaufhörlich wiederkehren. Den ärgsten Mißgriff bei der Bildung von Sätzen begehen diejenigen, die den Schüler anleiten, einen nackten Satz zu erweitern oder auszubildcn. Man versteht unter einem nackten Satz gewöhnlich einen solchen, der bloß aus Subjekt und Prädikat besteht, z. B. der Mensch denkt, Gott lenkt. Unter einem ausgebildeten versteht man einen solchen, wo das Subjekt oder das Prä­ dikat oder beide durch Beisätze erweitert sind, z. B. Friedrich der Große starb zu Sanssouci. Wenn man aber die Sache näher ansicht, so findet man, daß man den beiden ersten Sätzen ohne Grund ihre Nacktheit vorwirft, denn sie ent­ halten alles, was zur Sache gehört, und daß der zuletzt genannte Satz auch nur gerade das enthält, was er, um vollständig zu sein, enthalten mußte. Bei dem Subjekt „Friedrich der Große" ist der Beisatz nothwendig, weil man sonst nicht wüßte, welcher Friedrich gemeint sei; bei der Aussage „starb zu Sanssouci" ist der Beisatz keines­ wegs eine nachträglich zugefügte Bestimmung; er ent­ hält gerade das, worauf es dem Sprechenden ankam. Wir haben also auch hier nur ein einfaches Subjekt und ein ebenso einfaches Prädikat, und der letzte Satz ist nicht weiter ausgcführt als die beiden andern. Es thijt Noch, daß man die Schüler in Zeiten vor dem Gebrauche nichts­ sagender Flickwörter warne. Wer aber die Kinder anleitet, nackte Sätze durch allerhand Beisätze ohne innere Nothwendigkeit zu erweitern, der leitet die Kinder recht metho­ disch an, unnütze Worte zu machen, und der Gewinn ist im günstigsten Falle eine nichtsnutzige Maulfertigkeit. Welche Verirrungen in dieser Beziehung möglich sind, davon führt das Schulblatt (für die Provinz Brandenburg) für 1840