125 von ihm aufgeschreckt/ von einer kleinen Anhöhe ein Lämmergeier, und schwebt über dem tiefen Abgrund hin. Am Rande dieses Abgrundes, in dessen Tiefe ein reißender Bach rauschte, fand Michel das Kind. Es hatte keine Verwundung, außer am linken Arnr und an der Hand, woran es wahrscheinlich gepackt worden war. Schuhe, Strümpfe und Mützchen waren verloren. Die Anhöhe, auf welcher man das Kind fand, ist von jener Scheune, wo es schlummerte, etwa 1400 Schritte entfernt. Die kleine Anna hieß von nun an das Lämmergeier-Anni, und heirathete, als sie groß geworden, einen Schneider in Goldswyl, wo sie 1814 noch lebte. Das Kind und die Wölfe. Auf dem Riesengebirge lebte eine arme Frau. Diese hatte ein kleines Kind, und hütete für andere Leute eine Viehherde. Einst saß sie mit ihrem Kind im Walde, und gab ihm Brei aus dem Napfe; die Kühe aber weideten auf der Wiese. Von der Weide giengen die Kühe in den Wald. Die Frau lief zu ihnen hin, und wollte sie forttreiben. Unterdessen kam eine große Wölfin aus dem Dickicht des Waldes, gieng auf das Kind los, packte es an seinem Röckchen, und trug es in den Wald. Die Mutter kam von den Kühen zurück, fand aber das Kind nicht mehr; auch fehlte der Eßlöffel. Die Mutter lief in ihr Dorf zurück, und jammerte gar sehr um ihr Kind, — Unterdessen kam ein Bote durch den Wald gegangen, und verirrte sich. Aus einem Gebüsche vernahm er die Worte: „Geh', oder ich gebe dir Eins; geh', voer ich gebe dir Eins." — Er geht in das Gebüsch, und findet auf dem Boden ein kleines Kind und sechs junge Wölfe um dasselbe. Diese fuhren immer aus das Kind zu, und schnappten nach seinen Händchen. Das Kind aber schlug ihnen stets mit dem hölzernen Löffel auf die Nase, und sagte dabei die Worte: „Geh', oder ich gebe dir Eins." — Der Bote verwun­ derte sich, lief geschwinde dahin, holte einen Prügel und schlug