30 Ende führt." Ich kann nicht umhin, noch ein beachtens- werthes Wort von Thiersch über diese Sache anzuführen: „Vielerlei und Alles nur oberflächlich, dieß der herrschende Grundsatz im Unterrichtswesen unserer Zeit, dieß ein Symp­ tom und eine Förderung des allgemeinen Sinkens der sitt­ lichen Tüchtigkeit. Pflicht. Gründlichkeit des Lernens ist eine sittliche Man darf nur einen Blick in den Geisteszustand der Jugend werfen, nur zu sehen, wie sehr sie durch die herrschende Oberflächlichkeit und Vielwisserei verdorben wird. Einen verächtlichen Charakter bezeichnete der altgriechische Dichter mit den Worten: „Vielerlei Dinge verstand, doch schlecht verstand er sie alle." Auf den Schein ist dieUnterrichtsweise berechnet. Das ist der tiefe moralische Verderb, gegen den wir ankämpfen müssen. Denn, wird die Jugend ver­ leitet, sich mit dem Schein des Wissens zu begnügen, so seid gewiß, begnügen. wesens, sie wird sich mit dem Schein der Tugend Aus der intellektuellen Heuchelei unseres Schul­ unserer Prüfung muß die geboren werden." moralische Heuchelei Ja die tüchtigsten Lehrer erkennen den Zusammenhang des encyclopädischen Treibens mit der sitt­ lichen Erschlaffung und streben nach Vereinfachung, Concen­ tration, darum Verdichtung des Stoffes größerer Tüchtigung des Individuums. und also nach „Meine Lehr- und Unterrichtsbücher," sagte mir einst Herr Dangeli, Direktor der landwirthschaftlichen Schule in Zürich, „werden alle Jahre kleiner." Lehrerweisheit. mündlich und In solchem Worte liegt Erzieher - und Also übe schriftlich, der Lehrer, bis lasse darstellen, das Wissen zum sichern Können geworden; erst dann schreite er weiter. Solche Beharrlichkeit und Gründlichkeit gibt uns gan ze Menschen.